Unsere Kinderwunschreise
Wie alles begann...
Unsere Kinderwunschreise begann mit viel Vorfreude und dem Wunsch, schnell eine kleine Familie zu werden.
Erst nach und nach wurde uns bewusst, dass dieser Weg vielleicht anders verlaufen würde, als wir es uns vorgestellt hatten.
In diesem Beitrag teile ich, wie alles angefangen hat - die schönen Momente, die ersten Unsicherheiten und das, was und durch diese Zeit getragen hat.



Wie alles begann...
Ich wusste schon immer, dass ich früh Mama werden möchte. Dieser Wunsch hat mich mein ganzes Leben begleitet und war ein fester Teil von mir. Als Jan in mein Leben kam, hat dieser Wunsch plötzlich ein Gesicht bekommen. Plötzlich konnte ich mir ganz konkret vorstellen, mit ihm eine Familie zu gründen. Ich wünschte mir nichts mehr, als ihn eines Tages als Papa unserer Kinder zu sehen.
Im Juli 2022 haben wir gemeinsam entschieden: Wir möchten Eltern werden. Eigentlich hatten wir geplant, dass ich im Juni 2023 die Pille absetze. Doch je konkreter der Wunsch wurde, desto stärker wurde auch die Vorfreude. Unser Kinderwunsch war riesig – wir konnten es kaum erwarten, endlich „loszulegen“ und waren voller Aufregung und Hoffnung.
Wir gingen damals ganz selbstverständlich davon aus, dass es schnell funktionieren würde. Wir waren jung, gesund, verliebt – warum sollte es nicht klappen? Ängste hatten wir zu diesem Zeitpunkt keine. Nur die Hoffnung, dass die Zeit bis zum positiven Test möglichst schnell vergeht.
Die ersten Monate: Zwischen Erwartungen und Enttäuschung
Als wir im März die Entscheidung trafen, die Pille schon früher abzusetzen, fühlte sich das an wie ein Aufbruch. Wir waren bereit, voller Vorfreude und hatten sogar diese romantische Vorstellung, dass ich vielleicht im November schwanger im Hochzeitskleid das Ja-Wort geben könnte. Diese Bilder waren so lebendig in unseren Köpfen, dass sie sich fast wie ein Versprechen angefühlt haben.
Doch nach vier Monaten begann sich unsere Stimmung langsam zu verändern. Aus dem positiven, aufregenden Kinderwunsch wurden erste Zweifel. Wir verstanden nicht, warum es nicht funktionierte. Warum nicht bei uns? Warum nicht jetzt?
Wir probierten alles aus. Wir trackten meinen Zyklus, machten Ovulationstests, beobachteten meinen Ausfluss und versuchten, jeden Eisprung zu nutzen. Wir wollten das Gefühl haben, etwas tun zu können – und nicht nur Monat für Monat zu warten.
Gleichzeitig wuchs in uns der Wunsch nach einem Zeichen, nach einem kleinen Hoffnungsmoment. Deshalb schickten wir einen Luftballon in den Himmel – mit den Worten:
„Hallo kleines Wunder, Mama und Papa freuen sich darauf, dich kennenzulernen. Wir warten auf dich.“
Dieser Moment bedeutete uns unglaublich viel und gab uns für einen Augenblick neuen Mut.
Trotzdem wurde es zunehmend belastender. Auch wenn wir noch nicht lange versuchten, schwanger zu werden, war dieses Thema für uns schon so lange präsent, dass sich jeder negative Test schwerer anfühlte. Jede Periode tat weh. Und jedes Mal flossen Tränen – aus Enttäuschung, aus Ohnmacht und aus dem Gefühl, nicht zu wissen, wann oder ob dieser Wunsch jemals in Erfüllung gehen würde.
Warum diese Zeit uns so verunsichert hat
Mit jedem weiteren Monat wuchs in mir eine Mischung aus Frust und Angst. Immer häufiger fragte ich mich, ob bei mir vielleicht etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Ob es irgendwo einen Grund gibt, den wir bis dahin einfach nicht greifen konnten. Diese Gedanken wurden nach und nach immer lauter.
Und damit kam auch die Ungeduld. Wir hatten uns unser Leben mit einem Kind so lebhaft vorgestellt, so viele Wünsche und Pläne im Kopf – und jeder neue Zyklus ohne positives Ergebnis fühlte sich an, als würde sich dieser Traum einfach nicht näherkommen wollen.
Wir sprachen viel darüber und gaben uns gegenseitig Halt. Das war unsere Stärke – wir waren ein Team. Und doch fühlte es sich manchmal an, als würden wir gegen etwas Unsichtbares ankämpfen – etwas, das wir weder kontrollieren, noch verstehen konnten.
Die Reaktionen aus dem Umfeld machten diese Phase zusätzlich schwer.
Sätze wie:
„Ihr seid doch noch jung.“
„Stresst euch nicht.“
„Fahrt mal in den Urlaub.“
waren gut gemeint, aber sie trafen uns. Denn sie stellten unsere Gefühle infrage – und ließen uns manchmal das Gefühl haben, uns erklären zu müssen. Dabei wollten wir nichts weiter als Verständnis und Rückhalt.
Der Schritt in die Kinderwunschpraxis – unser Wendepunkt
Über die Kinderwunschreise von Ana Johnson wurde ich das erste Mal auf das Thema Kinderwunschbehandlung aufmerksam. Vieles, was sie teilte, fühlte sich so vertraut an. Als ich mit meiner Frauenärztin über meine Sorgen sprach, hörte sie mir zu, nahm mich ernst und riet uns, uns beide untersuchen zu lassen.
Da der Urologentermin mehrere Monate gedauert hätte, bekamen wir den Tipp, uns direkt an eine Kinderwunschpraxis zu wenden. Besonders für mich – mit meinen Arbeitszeiten in der Kita – war eine private Praxis mit flexiblen Terminen eine große Erleichterung.
Der erste Termin dort war ein echter Wendepunkt. Wir waren aufgeregt, aber vor allem: hoffnungsvoll.
Zum ersten Mal erlebten wir echtes Verständnis. Unsere Gefühle wurden ernst genommen, unser Wunsch gesehen. Niemand winkte etwas ab. Niemand sagte, wir sollten „entspannen“.
Es fühlte sich an wie ein Aufatmen.
Die ersten Untersuchungen – und ein Plan, der uns Halt gab
In den Wochen danach folgten die ersten medizinischen Schritte: Ein Spermiogramm bei Jan, ein Ultraschall bei mir und ein hormonell begleiteter Zyklus. Die Ergebnisse reichten aus, um uns einen klaren Weg vorzuschlagen.
Zum ersten Mal hatten wir eine Richtung. Einen Plan. Etwas, das sich nach Struktur anfühlte – nicht mehr nach Ohnmacht.
Der Gedanke, dass es einen Plan A gab, und falls nötig auch Plan B oder C, gab uns neuen Halt. Auch wenn unser Umfeld teilweise skeptisch reagierte, wussten wir: Das ist unser Weg.
Und er fühlte sich richtig an.
Wie uns diese Zeit als Paar und mich persönlich geprägt hat
Auch wenn ich diesem Thema später einen eigenen Blogeintrag widmen möchte, möchte ich hier kurz darauf eingehen, wie uns diese Zeit als Paar beeinflusst hat.
Wir sind gemeinsam durch jede Emotion gegangen: Hoffnung, Angst, Enttäuschung, Mut. Wir haben offen gesprochen und uns gegenseitig gestützt. Das hat unsere Beziehung stärker gemacht, als wir es jemals erwartet hätten.
Ein Thema, über das kaum jemand spricht, möchte ich zumindest kurz erwähnen:
Wenn Intimität plötzlich an Timing und Eisprung orientiert ist, verändert sich etwas. Nicht zwischen uns als Menschen – aber in der Art und Weise, wie natürlich oder unbeschwert es sich manchmal anfühlt. Genau deshalb verdient dieses Thema später einen eigenen Beitrag.
Mich persönlich hat diese Zeit emotional sehr gefordert. Jede Periode tat weh. Jeder neue Monat ohne Ergebnis fühlte sich an wie ein kleiner Rückschritt. Diese Ohnmacht – nichts tun zu können außer zu hoffen – war oft kaum auszuhalten.
Und trotzdem war da dieser tiefe Wunsch in mir.
Dieser starke Glaube, dass ich irgendwann Mama sein werde. Und die Liebe zu meinem Mann, die mir immer wieder die Sicherheit gegeben hat, dass wir diesen Weg gehen werden – gemeinsam.