Diagnostik Kinderwunschbehandlungen




Unsere Kinderwunschreise

Diagnostik, ICSI und der Weg durch die Kinderwunschbehandlung

Unsere Kinderwunschreise begann mit einer Reihe von Untersuchungen, die uns Schritt für Schritt in die Kinderwunschpraxis geführt haben. Vieles davon war neu für uns, manches überfordernd, aber vor allem war es ein Weg voller Entscheidungen, die wir vorher nie treffen mussten. 

In diesem Beitrag erzähle ich, wie die Diagnostik ablief, wie wir die ersten Behandlungsschritte erlebt haben und warum wir uns schließlich für eine ICSI entschieden haben. Ein sehr persönlicher Einblick in eine Zeit, in der wir viel gehofft und gelernt haben und in der wir oft über uns hinausgewachsen sind. 

 

TW: Fehlgeburt

 

Diagnostik, ICSI und der Weg durch die Kinderwunschbehandlung

Ich hätte früher nie gedacht, dass wir einmal in einer Kinderwunschpraxis landen würden. Das war nicht der Weg, den ich mir vorgestellt hatte – und trotzdem standen wir irgendwann genau dort. Für uns war das kein geplanter Entschluss, sondern ein Weg, der sich langsam geöffnet hat, ohne dass wir ihn bewusst gewählt haben. Alles begann damit, dass meine Frauenärztin meinte, es wäre gut, wenn auch mein Mann untersucht wird. Geplant war ein Spermiogramm beim Urologen, aber dort hätten wir vier Monate warten müssen. Eine Arzthelferin gab uns dann den Tipp, direkt in einer Kinderwunschpraxis anzurufen, weil man dort schneller Termine bekommt. Also taten wir das – und ohne es wirklich zu planen, befanden wir uns plötzlich in einer Realität, die man erst wirklich versteht, wenn man selbst darin steckt.

Diagnostik und die ersten Untersuchungen

In der Kinderwunschpraxis ging dann alles schneller, als ich erwartet hatte. Kaum waren wir dort, wurde erst einmal ein Gesamtbild von uns beiden erstellt. Es folgten viele Untersuchungen: Ultraschall, Blutwerte, Hormonbestimmungen über den gesamten Zyklus hinweg, Infektionsscreenings und natürlich das Spermiogramm meines Mannes. Das klingt nach viel – und das war es auch. Dazu kam, dass die Termine durch meiner Vollzeitstelle in einer Kita oft früh morgens oder nach der Arbeit stattfinden mussten. Doch trotz dieser Belastung war da immer dieses Gefühl: Wir gehen vorwärts. Wir kommen unserem Herzenswunsch näher. Und ich glaube, das hat mich durch diese Phase getragen.

Gleichzeitig war es eine merkwürdige Mischung aus Hoffnung und Angst. Ein Teil von mir wollte unbedingt, dass man etwas findet, damit wir wussten, woran wir arbeiten müssen. Und ein anderer Teil hatte fürchterliche Angst davor, dass wirklich etwas gefunden wird. Diese innere Spannung war dauerhaft da, mal lauter, mal leiser, aber immer präsent.
 

Der erste kleine Behandlungsversuch 

Bevor wir zu größeren Behandlungsschritten übergingen, haben wir erst etwas versucht, das noch vergleichsweise 'sanft' war: Ich bekam eine Spritze, die den Eisprung auslösen sollte. Für diejenigen unter euch, die damit noch nie in Berührung gekommen sind: Damit unterstützt man den Körper ein wenig, damit der Eisprung sicher stattfindet und zeitlich besser planbar ist. Man weiß dann ziemlich genau, wann er kommt – und kann die fruchtbare Zeit gezielter nutzen.

Für uns fühlte sich das damals wie ein erster richtiger Schritt an. Endlich konnten wir etwas tun, statt nur abzuwarten. Dieser Ansatz hat uns das Gefühl gegeben, wieder ein Stück Kontrolle zurückzubekommen. Auch wenn ich dadurch nicht schwanger wurde, war es ein Moment, in dem sich zumindest etwas bewegt hat. Und allein das hat gutgetan.


Die Entscheidung für die ICSI

Nachdem der erste Versuch ohne Erfolg geblieben war, sprachen wir gemeinsam mit unserer Ärztin darüber, wie es weitergehen könnte. Und irgendwann wurde klar, dass der nächste Schritt für uns eine ICSI sein würde. Das klang im ersten Moment groß und ein bisschen einschüchternd, aber gleichzeitig auch nach einer Richtung und einem klaren Weg.

Falls du mit diesen Begriffen bisher nichts zu tun hattest:

Bei einer IVF werden Eizellen und viele Spermien zusammen in ein kleines Schälchen gegeben – und die Befruchtung passiert auf natürlichem Weg, nur eben außerhalb des Körpers.

Bei einer ICSI dagegen bekommt dieser Schritt ein bisschen Unterstützung. Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle eingebracht. Das klingt vielleicht technisch, aber für viele Paare bedeutet es eine reale Chance, dort weiterzukommen, wo der Körper allein es gerade nicht schafft.

Ich erinnere mich daran, dass sich dieser Moment merkwürdig zweischneidig angefühlt hat. Auf der einen Seite war da Erleichterung, weil wir wussten, wie es weitergeht. Auf der anderen Seite war es ein Eingeständnis: Es klappt wohl nicht ohne Hilfe. Aber irgendwann war das gar nicht mehr schlimm. Der Wunsch war größer als das Gefühl, „es eigentlich anders schaffen zu wollen“. Und als wir uns für die ICSI entschieden hatten, war da plötzlich wieder ein bisschen mehr Hoffnung und eine unbeschreibliche Vorfreude. 

 

Die hormonelle Stimulation

Als die Behandlung dann richtig begann, ging es uns zum ersten Mal seit langer Zeit wieder besser, unser Kinderwunsch fühlte sich wieder leichter an, wieder so wie ein Herzenswunsch sich eigentlich anfühlen sollte. Die Monate davor waren geprägt vom Warten, Zweifeln und dieser ständigen Unsicherheit. Jetzt war da plötzlich etwas, das sich nach Bewegung anfühlte. 

Mit der hormonellen Stimulation musste ich mich trotzdem erst vertraut machen. Beim ersten Versuch war mein Körper erstaunlich sanft mit mir. Ich habe gespürt, dass etwas arbeitet, aber es war eher im Hintergrund. Ein wiederholtes Ziehen und Drücken im Unterleib, aber nichts, was mich im Alltag ausgebremst hat.

Beim zweiten Versuch war es anders. Die höhere Hormondosis hat meinen Körper deutlich gefordert. Mein Bauch fühlte sich oft schwer und gespannt an, und an manchen Tagen war jeder Schritt eine Erinnerung daran, dass da gerade viel in mir passiert. Besonders in der Kita, wenn ich viel auf den Beinen war, habe ich abends gemerkt, wie kraftlos und erschöpft ich war. Die Schmerzen waren kurz vor der Entnahme der Eizellen so stark, dass ich abends kaum noch laufen konnte.

Am schwierigsten waren für mich die täglichen Spritzen. Ich hatte eine richtige Angst davor. Mein Mann hat sie mir gesetzt, und obwohl ich jedes Mal Schlucken musste, sind diese Momente irgendwie zu einem kleinen gemeinsamen Ritual geworden. Ein „Wir machen das zusammen“, ohne dass wir es aussprechen mussten. Die blauen Flecken, das Brennen, das Stechen – all das war unangenehm, aber wir wussten wofür wir es tun.

Und trotz der körperlichen Belastung kann ich nicht sagen, dass es mir in dieser Zeit schlecht ging. Es war eine unbeschreiblich aufregende Zeit, jedes kleinste Symptom wurde gedeutet, natürlich gegoogelt und wir haben jeden Tag die Tage gezählt bis zum nächsten Schritt der Behandlung. Wir drehten uns endlich nicht mehr im Kreis und ich wurde mir immer sicherer, dass ich eines Tages doch Mama sein werde. 


Die Punktionen

Die Tage rund um die Punktion hatten für mich eine ganz eigene Stimmung. Ich war nervös, aber gleichzeitig auch seltsam ruhig. Vielleicht, weil wir wussten, dass dieser Moment wichtig war. Vielleicht auch, weil ich das Gefühl hatte, dass mein Körper jetzt zeigen würde, was all die Wochen davor in ihm gearbeitet hatte.

Falls du damit bisher keine Berührung hattest: Bei der Punktion werden die Eizellen, die während der Stimulation gewachsen sind, mit einer kleinen Nadel aus den Eierstöcken entnommen.

Ich hatte eine riesige Angst vor der Narkose, das gebe ich ehrlich zu. Diese Vorstellung, einzuschlafen und nicht zu wissen, wie ich mich danach fühlen würde und zu wissen, was dabei alles passieren kann, war beängstigend für mich. Aber das Team in der Praxis war so unglaublich einfühlsam, dass der Großteil dieser Angst schon im Vorfeld kleiner wurde. Sie haben erklärt, gefragt, mich ernst genommen. Und als ich dann spürte, wie die Narkose anfing zu wirken, war da plötzlich weniger Panik, als ich erwartet hätte.

Dass beide Punktionen auf Wochenenden fielen, war eine riesige Entlastung für mich. Keine Sorge, wie ich das in meinen Arbeitsalltag organisieren muss, keine zusätzlichen Gedanken im Hinterkopf. Einfach nur der Fokus auf diesen einen Tag.

Die Ergebnisse der beiden Punktionen hätten unterschiedlicher kaum sein können, was definitiv auf die Dosierung der Hormone bei der Stimulation zurückzuführen ist. Beim ersten Mal waren es wenige Eizellen – und auch wenn uns vorher gesagt wurde, dass es so sein könnte, hat uns dieser Moment kurz verunsichert. Beim zweiten Mal dagegen waren es deutlich mehr, 17 um genau zu sein. Ein Ergebnis, das uns beide überrascht hat. Ich weiß noch, wie wir uns angeschaut haben – wir haben gegrinst, wie zwei Honigkuchenpferde und sind uns danach erstmal in die Arme gefallen.

Körperlich war die Zeit nach den Eingriffen für mich zunächst sehr schmerzhaft und dann ganz gut auszuhalten. Der Druck im Bauch ließ recht schnell nach und ich konnte mich wieder freier bewegen. Und innerlich war da eine Mischung aus Erleichterung und dem Gefühl, dass ein wichtiger Schritt geschafft war. Dass jetzt etwas Neues auf uns wartete.

 

Die Tage bis zum Transfer

Die Zeit nach der Punktion fühlte sich für mich ein bisschen so an, als würde ich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Momenten schweben. Der Eingriff lag hinter mir, mein Körper konnte endlich wieder ein Stück zur Ruhe kommen, und trotzdem waren meine Gedanken schon beim nächsten Schritt.

Körperlich ging es mir relativ schnell besser. Der Druck im Bauch ließ nach, ich konnte wieder normal gehen und sitzen, ohne ständig an diese Spannung erinnert zu werden. Diese Erleichterung hat gutgetan – einfach wieder in meinem Körper zu sein, ohne dass jeder Atemzug daran erinnert, dass er gerade im „Behandlungsmodus“ ist.

Gleichzeitig standen wir innerlich schon mit einem Fuß im nächsten Kapitel. Wir wussten, dass jetzt im Labor etwas passiert, das wir nicht sehen und nicht beeinflussen können. Diese Phase fühlt sich eigenartig an: Man tut gar nichts – und trotzdem passiert unglaublich viel. Und je näher der Tag des Transfers rückte, desto mehr schob sich ein leises Kribbeln in den Vordergrund. Etwas zwischen Nervosität, Vorfreude und diesem Gefühl, dass jetzt wieder ein Moment kommt, der alles verändern könnte.

 

Der Embryotransfer 

Als der Tag des Transfers gekommen war, war ich aufgeregt, aber auf eine ruhige Art. Es fühlte sich wie ein wichtiger Moment an, aber nicht so überwältigend, wie ich es mir vorher vorgestellt hatte.

Falls du damit noch keine Erfahrung hast: Ein Embryotransfer klingt viel technischer, als er letztlich ist. Man ist wach und kann auf einem Monitor sehen, wie der Embryo – ein winziger Punkt – in die Gebärmutter eingesetzt wird.

Ich hatte insgesamt drei Transfers, und obwohl ich irgendwann genau wusste, wie alles ablaufen würde, war keiner davon weniger besonders. Mein Mann war jedes Mal bei mir, und gemeinsam haben wir auf den Bildschirm geschaut, als die Embryos ihren Platz gefunden haben. 

Was mir viel bedeutet hat: Das Praxisteam hat diesen Moment nie wie Routine behandelt. Man hat gespürt, dass sie mit uns mitgefühlt haben, und das hat den Transfers etwas sehr Menschliches gegeben. Als wir die Praxis danach verlassen haben, hatte ich jedes Mal das Gefühl, etwas ganz Zerbrechliches in mir zu tragen. Als müsste ich besonders achtsam sein – mit jedem Schritt, jedem Atemzug.

 

Die Wartezeit

Die Tage nach dem Transfer waren merkwürdig, weil äußerlich alles weiterlief wie immer – zu Hause, auf der Arbeit, in der Kita. Ich bin morgens aufgestanden, habe gefrühstückt, bin in meinen Alltag gestartet. Und doch war da die ganze Zeit dieser eine Gedanke, der sich überall mit hineingeschoben hat: Was passiert da gerade in mir?

Es fühlte sich an, als würde ich zwei Leben parallel führen – das ganz normale, das nach außen hin lief wie immer, und dieses stille innere Leben, das so viel bedeutender war als alles andere.

Falls du diese Zeit selbst noch nie erlebt hast: Die Wartezeit ist einer der emotional anspruchsvollsten Teile einer Kinderwunschbehandlung. Man hat medizinisch alles getan, was möglich war, und plötzlich soll man warten. Nicht eingreifen, nichts beeinflussen, keine Kontrolle haben. Einfach leben, während im eigenen Körper vielleicht ein winziger Anfang entsteht.

Für mich war es ein Wechsel zwischen Zuversicht und Zurückhaltung. Auf der einen Seite dieses warme Gefühl, das jedes Mal aufkam, wenn ich daran dachte, dass da jetzt ein Embryo in mir ist. Auf der anderen die Vorsicht, mich nicht zu weit hineinzulehnen, falls es doch anders ausgeht. Ich habe jedes kleine Ziehen wahrgenommen, jeden Druck, jede minimale Veränderung. Und gleichzeitig wusste ich, dass man all das nicht überbewerten darf.

Die Arbeit in der Kita hat mich abgelenkt. Der Trubel, die Gespräche, die vielen kleinen Hände – all das hat verhindert, dass ich komplett in meinen Gedanken versinke. Und doch gab es immer wieder kurze Momente, in denen mein Inneres ganz still wurde. So, als würde ich in mich hineinhorchen und darauf warten, ob da etwas antwortet.

 

Die Fehlgeburt

Der schwerste Moment unserer ganzen Reise war die Fehlgeburt. Und obwohl ich wusste, dass so etwas passieren kann, trifft es einen auf eine Art, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Unsere Fehlgeburt passierte früh, aber ich habe schnell gemerkt, dass das nichts darüber aussagt, wie tief so ein Verlust gehen kann. Nur weil etwas früh geschieht, fühlt es sich nicht automatisch weniger schlimm an. Der Schmerz orientiert sich nicht an Schwangerschaftswochen, sondern an dem, was man schon in seinem Herzen getragen hat.

Ich weiß noch genau, wie ich im Urlaub in Italien plötzlich Blutungen bekam. Um mich herum haben alle versucht, mich zu beruhigen und mir gut zuzureden, aber tief in mir wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Es war dieser eine Moment, in dem die Zeit kurz stehen bleibt und einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Die kleine, vorsichtige Zuversicht, die mich bis dahin begleitet hatte, war in Sekunden verschwunden. Ich wusste einfach: Das war es.

Was für mich unglaublich viel ausgemacht hat, war die Art, wie wir in der Praxis später aufgefangen wurden. Da war kein nüchternes „Das passiert eben“. Stattdessen war da jemand, der sich Zeit genommen hat, der zugehört hat, der Worte gefunden hat, die nicht belehrend waren, sondern menschlich. Es hat den Schmerz nicht weggenommen, aber es hat verhindert, dass ich mich damit allein gefühlt habe.

Für meinen Mann und mich war diese Zeit sehr intensiv. Wir haben viel miteinander gesprochen, manchmal auch einfach nur nebeneinander gesessen, ohne Worte. Es war ein Gefühl von gemeinsam festhalten, selbst als alles in uns gewackelt hat. Und so schwer es auch war – es hat uns als Paar stärker gemacht.

Eine Fehlgeburt ist nicht nur ein medizinisches Ereignis. Es ist ein Verlust, der sich tief ins Herz setzt. Und auch wenn die Welt um einen herum weiterläuft, braucht die eigene Seele oft länger, um wieder nachzukommen.

 

Rückblick & was die Reise mit mir gemacht hat 

Wenn ich heute auf diesen Weg zurückblicke, sehe ich vor allem, wie sehr er mich verändert hat. Nicht nur durch die ganzen medizinischen Schritte, sondern durch all die Gefühle dazwischen. Ich habe gelernt, geduldiger zu sein, achtsamer mit mir umzugehen und meinem Körper mehr zuzuhören.

Diese Zeit hat mich verletzlich gemacht, aber auch stärker. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, die einen wirklich halten – und dass man nicht alles allein schaffen muss.

Für uns als Paar war diese Reise herausfordernd, aber sie hat uns auch enger zusammengeschweißt. Wir mussten so viel miteinander tragen, und genau das hat uns tiefer verbunden.

Es war kein leichter Weg, aber einer, der Spuren hinterlassen hat. Und heute, wenn ich unseren Sohn anschaue, weiß ich, dass jeder einzelne Schritt, jede Träne, jede Angst und jedes Hoffen uns genau dorthin geführt hat. Er ist der Teil dieser Geschichte, der alles, was davor schwer war, in einem einzigen Moment geheilt hat.

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