Vom Überleben zum Leben
Lasst uns über mentale Gesundheit sprechen
Es gibt Themen, die uns alle betreffen und über die trotzdem viel zu selten ehrlich gesprochen wird. Mit dieser Blogreihe möchte ich einen Raum schaffen für Gedanken, Erfahrungen und persönliche Geschichten, Heilung und persönliche Entwicklung.
Dieser erste Beitrag erzählt, warum mir dieses Thema so am Herzen liegt, welche Erfahrungen mich geprägt haben und weshalb ich davon überzeugt bin, dass offene Gespräche manchmal mehr verändern können, als wir glauben.
Vom Überleben zum Leben
Lasst uns über mentale Gesundheit sprechen
Diese Blogreihe entsteht aus persönlichen Erfahrungen, vielen Gesprächen und der Überzeugung, dass mentale Gesundheit mehr Aufmerksamkeit verdient. In diesem ersten Beitrag möchte ich erzählen, warum mich dieses Thema seit vielen Jahren begleitet, was ich auf meinem Weg gelernt habe und weshalb ich heute offener darüber sprechen möchte als je zuvor.
Ein Thema, das mich schon lange begleitet
Es gibt Themen, über die viel zu oft geschwiegen wird. Gedanken, Ängste, innere Kämpfe oder Zeiten, in denen es uns nicht gut geht — obwohl wir nach außen funktionieren.
Und obwohl mentale Gesundheit mittlerweile häufiger thematisiert wird, spüre ich immer noch, wie viel Angst dahinter steckt. Die Angst davor, ehrlich zu sagen, wie es einem wirklich geht. Die Angst, verurteilt zu werden. Nicht mehr „stark“ genug zu wirken oder im beruflichen Umfeld plötzlich anders wahrgenommen zu werden.
Über Stärke, die man nicht sehen kann
Gerade im sozialen Bereich finde ich diesen Gedanken unglaublich traurig. Denn sind es nicht oft genau die Menschen, die schwere Zeiten erlebt haben, die besonders empathisch, reflektiert und verständnisvoll mit anderen umgehen können?
Menschen, die gelernt haben hinzusehen. Die sich mit ihren Gefühlen auseinandersetzen mussten. Die wissen, wie sich Angst, Hilflosigkeit oder Überforderung anfühlen.
Ich empfinde das heute nicht als Schwäche — sondern als Stärke.
Meine erste Therapie mit 16 Jahren
Meine erste Therapie hatte ich mit ungefähr 16 Jahren. Damals kämpfte ich mit einer Essstörung und Depressionen. Und wenn ich heute daran zurückdenke, tut mir dieses junge Mädchen einfach nur leid.
Ich war voller Wut gegen mich selbst. Ich dachte wirklich, dass ich niemals wieder einen Tag erleben würde, an dem ich nicht weine. Dass dieses Gefühl in mir für immer bleiben würde.
Meine Gedanken kreisten gefühlt 24 Stunden am Tag nur um Essen, Kontrolle, Schuldgefühle und das Gefühl, nie gut genug zu sein. Für mich war dieser Zustand damals „normal“.
Und genau das ist so erschreckend: Wie sehr sich Menschen an Leid gewöhnen können, wenn sie lange genug damit alleine sind.
Hinzu kam die Angst, offen darüber zu sprechen. Die Angst, zu viel zu sein, zu sensibel, zu kaputt.
Warum so viele Menschen still leiden
Und ehrlich gesagt begegnet mir genau diese Angst bis heute immer wieder — nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei Menschen in meinem Umfeld.
So viele Menschen funktionieren einfach weiter, obwohl sie innerlich längst erschöpft sind. Viele wissen nicht, wie sie Hilfe bekommen sollen. Andere trauen sich nicht, Hilfe anzunehmen. Und selbst wenn man bereit dafür ist, stößt man oft auf ein Gesundheitssystem, das völlig überlastet ist.
Psychologenmangel, monatelange Wartelisten und fehlende Therapieplätze sorgen dafür, dass Menschen viel zu lange alleine mit ihren Gedanken bleiben.
Dabei zeigen Studien schon lange, wie wichtig frühe psychologische Unterstützung ist und wie sehr offene Gespräche über mentale Gesundheit entlasten können. Trotzdem haben viele Betroffene noch immer das Gefühl, funktionieren zu müssen, anstatt ehrlich sagen zu dürfen:
„Ich schaffe das gerade nicht alleine.“
Was Therapie in meinem Leben verändert hat
Ich selbst habe im Laufe meines Lebens mehrere Therapien gemacht — zuletzt eine tiefenpsychologische Therapie. Und auch wenn dieser Weg nicht leicht war, hat er mein Leben verändert.
Denn heute bin ich glücklicher als je zuvor.
Ich habe eine Familie. Eine Beziehung, in der es mir gut geht. Ich liebe die Person, die ich geworden bin.
Und vor allem habe ich gelernt, mir selbst zu verzeihen.
Viele Entscheidungen aus meiner Vergangenheit sehe ich heute mit anderen Augen. Diese Wut gegen mich selbst ist verschwunden, weil ich heute viele Zusammenhänge verstehe.
Ich weiß inzwischen: Ich war nie schuld an allem. Und es sollte auch nie darum gehen, einen Schuldigen zu finden.
Ich bin heute ein völlig anderer Mensch — nicht, weil plötzlich alles perfekt wurde, sondern weil ich mich weiterentwickelt habe.
Warum ich heute meine Erfahrungen teilen möchte
Genau diese Entwicklung möchte ich weitergeben.
Mit dieser Blogreihe möchte ich einen ehrlichen Raum schaffen. Für Gedanken, Gefühle, persönliche Erfahrungen und Themen, über die oft noch viel zu leise gesprochen wird.
Ich möchte zeigen, dass Heilung möglich ist. Dass Therapie kein Zeichen von Schwäche ist. Dass man sich verändern darf. Und dass es Hoffnung gibt, selbst wenn man sie gerade nicht sehen kann.
Vielleicht erkennt sich jemand in meinen Worten wieder. Vielleicht fühlt sich dadurch jemand ein kleines bisschen weniger alleine.
Und vielleicht beginnen wir genau dadurch, offener miteinander zu sprechen